Rezension: Hass.Macht.Gewalt. von Philip Schlaffer

Rezension: Hass.Macht.Gewalt. von Philip Schlaffer

Verlag: Verlagsgruppe Droemer Knaur
Seiten: 328
ISBN: 978-3426278253

Darum geht geht es:

Erschütternd und aufklärend berichtet er aus seinem vergangenen Leben im Zeichen von rechter Gewalt, Hass und Kriminalität. Es ist der hochbrisante Insider-Bericht eines Aussteigers, der nichts beschönigt und so eindrucksvoll vor den Gefahren des Rechtsextremismus warnt.

Anfang der neunziger Jahre in der norddeutschen Provinz: Philip Schlaffer, geboren 1978, fühlt sich nirgendwo zugehörig, findet weder zu Hause noch in der Schule Halt. Die gewalttätige Neonazi-Szene gibt ihm das Gefühl, endlich irgendwo dazuzugehören – der Beginn einer schnellen Radikalisierung im Zeichen von Ausländerhass, Nationalismus und blinder Verehrung des „Dritten Reichs“. Später gründet Schlaffer die rechtsradikale „Kameradschaft Werwölfe Wismar“ und vertreibt Rechtsrock im Internet. Alkohol, Gewalt gegen „Fremde“ und Auseinandersetzungen mit der Polizei prägen seinen Alltag. Ein grausamer Mord, der in seinem Umfeld passiert, verfolgt ihn für lange Zeit.

Weiter geht Schlaffers kriminelle Karriere in Wismar, wo er Anführer des berüchtigten Rockerclubs „Schwarze Schar Wismar“ wird, der Drogenhandel und Wohnungsprostitution betreibt. Immer wieder steht er vor Gericht, immer wieder versucht der Verfassungsschutz, ihn als V-Mann anzuwerben. Schließlich wird der Fahndungsdruck zu groß, und Schlaffer schafft im Gefängnis den Ausstieg aus Kriminalität und Extremismus. Fortan beschließt er, sein altes Leben hinter sich zu lassen und sich aktiv gegen Hass, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit einzusetzen.

Aufrichtig und erschütternd erzählt Philip Schlaffer seine Lebensgeschichte – ein hochaktueller Insider-Bericht aus der rechten Szene, der nichts entschuldigt, sondern aufklären und warnen will.

Cover-/ Textrechte: Verlagsgruppe Droemer Knaur

Meine Meinung

Lebensgeschichten interessieren mich hier und da. Vorallem solche, wie die von Philip Schlaffer. Wie wird man zu dem, der man ist? Was prägt einem auf dem Weg und was gibt den Ausschlag die Richtung zu ändern?

Schlaffer ist recht stabil, aber in einem leistungsorientierten Haushalt aufgewachsen. In jungen Jahren verschlägt es ihn, wegen der Arbeit seines Vaters, von Deutschland nach Newcastle und dann wieder zurück. In England bekommt er es als Deutscher mit Vorurteilen zu tun, allerdings schafft er es sich einzuleben und sein “neues” Leben zu genießen. Umso schlimmer die Rückkehr nach Deutschland. Er stellt direkt klar, dass man mit ihm nicht machen kann was man will und rutscht so in die Außenseiterrolle. Er lernt die “richtigen” Leute kennen und wird somit nach und nach ein Kopf in der Neonazi-Szene Norddeutschlands.

Alles was ihn in dieser Zeit antreibt ist Hass. Egal auf was oder wen und da findet er Gleichgesinnte. Wohin das führt ist klar. Gewalt, Gewalt, Gewalt. Dazu Alkohol und ebenso gepolte Bekanntschaften. Die perfekte Mischung, die irgendwann schief gehen muss. Der Autor war ziemlich engagiert und es war interessant zu erfahren, wie er sein Geld verdient hat.

Irgendwann kehrt er seinen Kameraden den Rücken, was aber nicht etwa mit einer Läuterung einhergeht. Viel mehr ist es ein Wechsel des Gewaltmilieus. Hat der Autor vorher schon mit der ein oder anderen illegalen Sache Berührung gehabt, steigt er jetzt ins organisierte Verbrechen ein. Prostitution und Drogen sind die neuen Wegbegleiter. Abzüglich weiterhin auch die Gewalt. Allerdings hat sich sein Antrieb nun von Hass, auch auf Macht und Geldgier verlegt. Doch irgendwann kommt der Fall.

Der Autor will mit seinem bisherigen Leben brechen und erzählt von seinem Ausstieg. Die Hürden und die Sachen, die einem danach auch noch auf die Füße fallen können. Was definitiv gut war, dass er nicht versucht hat sich als Opfer widriger Umstände darzustellen. Er gibt zu, die Entscheidungen damals bewusst getroffen zu haben, einfach weil es sein Ding war. Er kritisiert sich und sein Handeln. Das macht das ganze sehr authentisch.

Fazit

Ein ungeschönter und ziemlich erschreckender Einblick in die “Karriere” des Autors. Absolut interessant und in keinster Weise langweilig. Wer Schlaffers Weg verfolgt, sagt sich vermutlich auch, dass in vielen Momenten “Mehr Glück, als Verstand” im Spiel war. Herr Schlaffer hat die Kurve bekommen und tritt selbstreflektierend in diesem Buch an, um in gewisser Weise seine Lebensbeichte abzulegen. Jeder hat eine zweite Chance verdient. Alles in Allem gut gemacht und somit gibt es 4 Sterne von mir.

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