Selbstjustiz – Wie würdest du handeln?

Selbstjustiz – Wie würdest du handeln?

Hallo ihr Lieben,

als Anika Sawatzki mich anschrieb, ob ich nicht Lust hätte ihr Buch “Der Siebenschläfer- Erwacht-” zu lesen hab ich tatsächlich kurz überlegt. Ich lese ja eigentlich eher selten Thriller, muss aber gestehen, dass es mir dieser hier wirklich angetan hat. Da es im Buch unter anderem um das Thema Selbstjustiz geht, habe ich gedacht, ich steuere mal was zum Thema bei. Vielleicht interessiert außer mir ja noch Jemanden die Thematik.

Was ist denn nun aber eigentlich Selbstjustiz?

Selbstjustiz bezeichnet die gesetzlich nicht zulässige Vergeltung für erlittenes Unrecht, die ein Betroffener im eigenen Namen selbst übt.

Abgrenzung

Nicht unter die Definition der Selbstjustiz fallen solche Handlungen, die von der Rechtsordnung nach den Grundsätzen der Selbsthilfe, der Notwehr oder zur Abwendung eines Notstandes gedeckt sind. Ebenso wenig wird der Begriff der Selbstjustiz auf Handlungsformen im Rahmen eines zulässigen Widerstands zur Verteidigung der Rechtsordnung gebraucht, etwa gemäß Art. 20 Abs. 4 GG.

Selbstjustiz ist eine Form des Vigilantismus. Im Gegensatz zu selbsternannten „Bürgerwehren“, die das Gesetz präventiv „in die eigenen Hände nehmen“, ist die Selbstjustiz einzelfallbezogen und wird von dem Betroffenen selbst ausgeübt.

Zur Rechtfertigung für einen Akt der Selbstjustiz wird meist angeführt, die staatliche Justiz versage. Sie sei unfähig oder auch unwillig, gegen die als Unrecht empfundene Handlung vorzugehen.

Die Selbstjustiz missachtet das Gewaltmonopol des Staates und ist deshalb strafbar.

Text-/Bildquelle: www.wikipedia.org

Für das Bestrafen von Verbrechern sind nun einmal die Gerichte zuständig – doch manchmal greifen Menschen auch zur Selbstjustiz. Wer kann es ihnen verdenken, denn gerade wenn es die eigene Familie betrifft, kochen die Emotionen hoch. Ich gebe zu, dies durchaus nachvollziehen zu können. Denn auch ich hätte Angst, dass die Strafe die das Gericht festgelegt zu milde ausfällt. Doch ist Selbstjustiz der “richtige” Weg?

Hier ein paar Fälle:

Januar 2014: Ein 48 Jahre alter Mann tötet am Gerichtsgebäude in Frankfurt am Main zwei Männer mit Schüssen und Messerstichen. Die beiden Männer standen wegen der Tötung seines Bruders vor Gericht. Der Angreifer wird verhaftet, er muss sich wegen des blutigen Racheakts vor Gericht verantworten. Die Anklage: Doppelmord.

Juni 2009: Ein Rentner entführt seinen Vermögensberater aus Speyer an den Chiemsee und hält ihn tagelang im Keller seines Hauses gefangen. Er fühlte sich um rund 2,4 Millionen Euro geprellt. Im Prozess gegen ihn vor dem Landgericht Traunstein spricht der Vorsitzende Richter von einem “spektakulären und aufsehenerregenden Fall der Selbstjustiz”.

2009: 27 Jahre nach dem Tod seiner Tochter Kalinka lässt der Vater einen Deutschen nach Frankreich verschleppen, damit dort ein neues Strafverfahren gegen ihn beginnen kann. Die französische Justiz verurteilt den Arzt tatsächlich wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu 15 Jahren Haft. Doch auch der Vater, der die Entführung organisierte, wird im Juni 2014 wegen Selbstjustiz zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

Februar 2004: Ein Russe, der im Juli 2002 bei der Flugzeugkatastrophe von Überlingen am Bodensee seine Frau und seine beiden Kinder verlor, ersticht einen Mitarbeiter der Schweizer Flugsicherung Skyguide. Er hatte in dem Flugverkehrsleiter, der in der Unglücksnacht allein im Zürcher Kontrollzentrum im Einsatz war, den Hauptschuldigen der Tragödie gesehen.

März 1981: Die Gastwirtin Marianne Bachmeier erschießt in einem Lübecker Gerichtssaal den mutmaßlichen Mörder ihrer siebenjährigen Tochter. Die Tat der damals 31-Jährigen löst in der Öffentlichkeit eine heftige Diskussion um Selbstjustiz und den Umgang der Justiz mit Sexualstraftätern aus.

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Selbstjustiz in der Literatur

Seit 200 Jahren gehört die Novelle Michael Kohlhaas von Heinrich von Kleist zur Weltliteratur.

Darum geht es:

Michael Kohlhaas steht im Mittelpunkt der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist aus dem Jahr 1810. Der Pferdehändler wird Opfer eines Betrugs und bricht zu einem grausamen Rachefeldzug auf, nachdem ihm der Rechtsweg verweigert wurde. Die Handlung spielt im 16. Jahrhundert in Brandenburg und Sachsen.

Wer mehr erfahren will, lege sich das Buch zu oder aber klicke diesen Link zur Handlungszusammenfassung: https://www.google.com/amp/s/www.inhaltsangabe.de/kleist/michael-kohlhaas/amp

Ein Buch das mich wahnsinnig berührte und dessen Verfilmung auch ziemlich gut gelungen ist, ist “Die Jury” von John Grisham.

Darum geht es:

Gerechtigkeit oder Rache?

Tonya Hailey, ein zehnjähriges Mädchen, wurde von zwei betrunkenen Männern brutal vergewaltigt und missbraucht. Wenige Tage später erschießt Tonyas Vater Carl Lee Hailey die beiden Täter im Gerichtsgebäude, in dem sie zu einer ersten Anhörung vorgeführt wurden. Das Gerichtsverfahren, dass gegen ihn eingeleitet wird, gerät zum Sensationsprozess. Denn: die beiden Gewaltverbrecher sind Weiße; Carl Lee ist ein Schwarzer …

Cover-/Textrechte: Heyne Verlag

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Selbstjustiz in Filmen

Mir fällt dazu als erstes der Film “Vier Brüder” mit Mark Wahlberg ein.

In „Vier Brüder“ geht es um vier von einer resoluten, weißen Frau adoptierte Brüder, die unterschiedlicher Hautfarbe sind: Jack und Bobby sind weiß, Jeremiah und Angel schwarz. Nach dem Mord an ihrer Mutter entdecken die Brüder ein Komplott und sinnen auf Rache.

 

Auch der Film “Die Fremde in Dir” mit Jodie Foster behandelt das Thema.

Die New Yorker Radiomoderatorin Erica Bain führt ein zufriedenes Leben und liebt ihren Verlobten abgöttisch. Doch all das wird ihr durch einen brutalen Überfall genommen, bei dem sie schwerste Verletzungen erleidet und ihr Zukünftiger stirbt. Unfähig, dieses Trauma zu verarbeiten, beginnt sie nächtliche Streifzüge durch die Straßen, um die Verantwortlichen aufzuspüren. Es dauert nicht lange, da wird die Öffentlichkeit auf den Racheengel aufmerksam. Gebannt verfolgt die ganze Stadt ihre Taten.

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Ich finde es nicht so einfach zu entscheiden. Meiner Meinung nach, ist die Tötung eines Familienlitgliedes eine Ausnahmesituation und ich gestehe, dass ich nicht wüsste, wie ich reagieren würde, wenn Jemand einem Menschen den ich liebe Leid zu fügen würde. Dabei redlich jetzt nicht von Geld wegnehmen oder Betrug, der irgendwo gekittet werden kann. Ich meine eher seelische oder körperliche Schmerzen. Würde ich das Recht selber in die Hand nehmen? Würde ich mich damach besser fühlen? Würde ich mit den Konsequenzen leben können? Ich weiß es nicht und ich hoffe auch, dass ich nie in diese Situation kommen werde.

Wie seht ihr das? Ich bin gespannt auf eure Gedanken.

Liebe Grüße

 

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