
Werbung: Rezension: Wenn due Bienen schweigen von Caryl Lewis
Verlag: dtv 
Seiten: 304
ISBN: 978-3423650526
Ab 14 Jahre
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!
Das erwartet euch:
Die Farben der Rebellion sind bunt!
Nachdem die letzte Biene ausgestorben ist, gerät die Welt aus den Fugen. Im Alter von elf Jahren werden Mädchen in Camps gezwungen, wo sie per Hand die Blüten der Obstbäume bestäuben. Kaum gebärfähig, werden sie verheiratet. Jess ist eines dieser Mädchen. Sie kennt die Welt vor dem Kollaps aus Büchern und liebt die Natur. Frei will sie sein, leben! Und schon lange weiß sie, dass Pinsel nicht zum Bestäuben von Pflanzen erfunden wurden. Als sie eines Tages zufällig an Farbtuben gerät, schleicht sie sich aus dem Camp und malt ein leuchtendes Bild an die große Mauer. In den anderen Mädchen entfacht sie damit den Funken der Rebellion. Und einmal gedacht, lässt sich der Gedanke der Freiheit nicht mehr unterdrücken.
Cover-/ Textrechte: dtv
Meine Meinung
Wenn Mädchen elf Jahre alt sind, kommen sie in Camps. Dort müssen sie Obstbäume von Hand bestäuben, weil es keine Bienen mehr gibt. Zumindest so lange, bis sie ihre Periode bekommen. Ab diesem Zeitpunkt werden sie zwangsverheiratet. Genau dieses Leben steht auch Jess bevor. Ein Leben, das sie auf keinen Fall führen möchte. Sie träumt von Freiheit und all den Möglichkeiten, von denen die Freundin ihrer Mutter ihr erzählt hat. Als Jess an Malfarben gelangt, kommt ihr eine gefährliche Idee. Eine Idee, die Hoffnung wecken und eine Rebellion ins Rollen bringen könnte. Doch sind die anderen Mädchen im Camp wirklich bereit, für ein anderes Leben zu kämpfen?
Ich habe im Vorfeld unglaublich viel Gutes über dieses Buch gehört und war entsprechend gespannt. Für gut gemachte, realitätsnahe Dystopien bin ich ohnehin immer zu haben und dieses Buch hat genau das geliefert.
Von der ersten Seite an liegt eine bedrückende, beklemmende Atmosphäre über der gesamten Geschichte. Die Vorstellung, dass junge Mädchen ihren Familien entrissen, in Camps gesteckt und letztlich nur auf ihre Rolle als Bestäuberin und anschließend als Ehefrau und Mutter reduziert werden, hat mich immer wieder sprachlos gemacht. Gerade weil sich dieses Szenario gar nicht so weit von der Realität entfernt anfühlt, wirkt die Geschichte umso erschreckender.
Die Mädchen wachsen ohne Rechte, ohne Freiheit, ohne Bildung und ohne jede Form von Selbstbestimmung auf. Andere entscheiden über ihr Leben, ihre Zukunft und ihren Wert. Was ihnen als Fürsorge verkauft wird, ist in Wahrheit nichts anderes als ein perfides System der Kontrolle und Unterdrückung. Genau das macht diese Dystopie so eindringlich und gleichzeitig so erschütternd.
“Unsere Mutter meinte, dass die Welt am Ende ist, hätte sie nicht daran gemerkt, dass es immer mehr Hungersnöte und Flüchtlingsbewegungen
gab – das hätte sie erst begriffen, als man anfing, Bücher zu verbrennen.”
Doch jede Veränderung beginnt mit einem kleinen Funken. Auch hier braucht es Mut, Fragen zu stellen, Regeln zu hinterfragen und sich gegen ein System aufzulehnen, das schon viel zu lange Bestand hat.
Jess weiß, dass die Welt nicht immer so war. Die Freundin ihrer Mutter hat ihr von früher erzählt, von Freiheit und einem selbstbestimmten Leben. Und auch ihre Mutter hat auf ihre Weise rebelliert, indem sie Jess heimlich das Lesen beigebracht hat. Dieses Wissen wird zu einem Hoffnungsschimmer – und letztlich zu dem Funken, der vielleicht ein Feuer entfachen kann.
So düster und trostlos die Geschichte über weite Strecken auch ist, verliert sie dabei nie ihre Hoffnung. Zwischen all der Unterdrückung entstehen Freundschaften, Zusammenhalt und der Mut, etwas verändern zu wollen. Gerade dieser Kontrast hat mir unglaublich gut gefallen und der Geschichte viel Tiefe verliehen.
Auch die Figuren konnten mich vollkommen überzeugen. Sie wirken authentisch, entwickeln sich glaubwürdig weiter und handeln nachvollziehbar. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass ihre Entscheidungen nur der Handlung dienen. Sie fühlten sich stets echt an.
Fazit
Diese Dystopie hat mich von Anfang bis Ende gefesselt. Sie ist erschreckend realitätsnah, atmosphärisch dicht und regt immer wieder zum Nachdenken an. Gleichzeitig erzählt sie eine Geschichte über Hoffnung, Mut und den Wunsch nach Freiheit, ohne dabei kitschig zu werden. Für mich ist dieses Buch längst nicht nur ein Jugendbuch, sondern eine Geschichte, die auch Erwachsene unbedingt lesen sollten. Lediglich das recht offene Ende konnte mich nicht ganz überzeugen. Allerdings ist das Meckern auf hohem Niveau. 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!
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