Werbung: Rezension: Dunkle Momente von Elisa Hoven

Werbung: Rezension: Dunkle Momente von Elisa Hoven

Verlag:  S. FISCHER
Seiten: 336
ISBN: 978-3103976694

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

Das erwartet euch:

»Jede Tat hat eine Geschichte«

Eva Herbergen ist Strafverteidigerin mit ganzer Seele. Ihre Aufgabe ist es, Menschen vor Strafe zu bewahren: die berühmte Schriftstellerin, den gebrechlichen Millionär, die überforderte Stiefmutter. Sie weiß, es braucht nicht viel, dass aus einem Menschen ein Verbrecher wird, vielleicht sogar ein Mörder. Es genügt ein dunkler Moment, der die Wendung markiert – zum Opfer oder zum Täter. Auch Eva kämpft mit diesen Grenzen, die sie selbst schon überschritten hat, mit den blinden Flecken unserer moralischen Verurteilung. Mit jedem Fall, den Eva erzählt, in dem die Grenze zwischen Gerechtigkeit und Recht verschwimmt, lösen sich ihre Gewissheiten auf. Bis sie sich fragt, welche Konsequenzen sie ziehen muss.
»Dunkle Momente« ist ein packender Roman über die ethischen und moralischen Dilemmata jedes Einzelnen, darüber, dass Recht und Gerechtigkeit nicht immer das Gleiche sind. Mit unbestechlichem Blick stellt Elisa Hoven die Eindeutigkeit infrage und zeigt, dass ein Mensch immer mehr ist als seine Tat.

Cover-/ Textrechte: S. FISCHER

Meine Meinung

Eva Herbergen arbeitet seit vielen Jahren als Strafverteidigerin und liebt ihren Beruf, trotz aller moralischen Grauzonen, die dieser mit sich bringt. Sie verteidigt Menschen, die schuldig wirken oder es vielleicht sogar sind. Doch oft entscheidet nur ein einziger Moment darüber, ob jemand Opfer oder Täter wird. Manche entwickeln sich im Laufe eines Prozesses sogar von der einen Rolle in die andere. Irgendwann stellt sich jedoch auch für Eva die Frage, wie lange sie diesen Weg noch weitergehen möchte.

Auf Empfehlung einer Buchfreundin, die selbst Jura studiert, bin ich auf „Dunkle Momente“ aufmerksam geworden. Anfangs war ich etwas skeptisch, doch die geschilderten Fälle entwickelten schnell eine enorme Sogwirkung.

Die Autorin ist Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof und bringt dadurch nicht nur Fachwissen, sondern auch spürbare Erfahrung mit. Wer nun jedoch eine trockene oder nüchterne Darstellung erwartet, liegt falsch. Der Schreibstil ist fesselnd, eindringlich und schafft es, einen unmittelbar in die einzelnen Fälle hineinzuziehen.

Insgesamt begleitet man Eva Herbergen durch neun Fälle aus ihrer Laufbahn. Dabei wird nicht nur geschildert, was passiert ist, sondern auch, wie mit den Mandaten umgegangen wurde, wie die Prozesse verliefen und welchen Ausgang die jeweiligen Fälle nahmen.

Mehr als einmal musste ich beim Lesen schlucken. Sowohl wegen mancher Vorgehensweisen innerhalb der Verteidigung als auch wegen der Skrupellosigkeit einiger Beteiligter. Die menschlichen Abgründe, die sich hier offenbaren, sind stellenweise wirklich erschreckend tief.

Besonders spannend fand ich den Perspektivwechsel auf Täter und Straftaten. Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie komplex Schuld sein kann und auf welche teils erschreckend cleveren Ideen Menschen kommen. Auch mein eigener moralischer Kompass geriet dabei hin und wieder ins Wanken. Interessant war zudem, dass selbst Strafverteidiger nicht immer die ganze Wahrheit kennen und ebenfalls manipuliert oder getäuscht werden können.

Fazit

„Dunkle Momente“ regt stark zum Nachdenken an. Das Buch ist gleichermaßen aufwühlend, spannend und stellenweise befremdlich und genau diese Mischung macht es jedoch so lesenswert. Mich konnte das Buch definitiv überzeugen und meine Neugier auf „Feine Risse“ ist nun umso größer. 4,5 Sterne

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