Werbung: Rezension: Die goldene Ananas von Dennis Kornblum

Werbung: Rezension: Die goldene Ananas von Dennis Kornblum

Verlag: tredition
Seiten: 580
ISBN: 978-3347122109

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

Darum geht es:

Der junge Elias lebt seit fünfeinhalb Jahren in Wohnheimen für gemeindenahe Psychiatrie. Er hat die Diagnose Asperger-Syndrom und steht jeglichen Veränderungen ängstlich und grundsätzlich ablehnend gegenüber. Daher erfüllt es ihn eher mit Widerwillen, dass er nun in eine eigene Wohnung ziehen soll, in das Dachgeschoss eines Fünfparteienhauses. Hier geht es ihm anfänglich nur darum, möglichst seine Ruhe zu haben und seinen streng strukturierten Tagesablauf einzuhalten, der aus einer sechsstündigen E-Gitarren-Einheit, dem Konsum von Death-Metal-Alben, dem Schauen von Filmen und genau getimten Mahlzeiten und Zigarettenpausen besteht. Nach und nach werden jedoch die übrigen Hausbewohner auf ihn aufmerksam, und er kommt immer mehr in sozialen Kontakt, vor allem zu dem extrovertierten Endfünfziger Willi. Und plötzlich steht er vor ganz neuen Herausforderungen – Soll er es wagen, einer richtigen Band vorzuspielen? Die hübsche Kellnerin vom Café Auberge nach einer Verabredung zu fragen? Vielleicht hat Willi ja recht mit der “goldenen Ananas”…

Cover-/ Textrechte: tredition

Meine Meinung

Als Dennis Kornblum mich gefragt hat, ob ich “Die goldene Ananas” lesen möchte, war ich recht schnell interessiert. Der Autor hat in diesem Buch nämlich sein Asperger-Syndrom eingearbeitet.

Natürlich hatte ich schon davon gehört, kenne aber Niemanden, der aus erster Hand darüber berichten kann. Hier passiert dies in Form von Elias Bach. Er hat einen strukturierten Tagesablauf und man erfährt, was Einfluss auf einen guten Tag hat und was ihn aus dem Tritt bringt. Elias hat seinen Tag minutiös vom Aufstehen bis zum zu Bett gehen geplant. Abweichungen davon bringen für ihn Alles durcheinander, egal wie minimal sie sein mögen, und fallen ihm wahnsinnig schwer. Die Struktur gibt ihm Halt und Stabilität. Das war echt krass zu lesen, aber irgendwo halt auch absolut nachvollziehbar.

Im Laufe der Story lernt Elias aber lockerer damit umzugehen, wenn er mal etwas aus seinem Rhythmus tritt. Er trifft sich mit anderen, bricht auch mal aus seinem Alltag aus und knüpft neue Kontakte. Auch wenn ihn das eine wahnsinnige Überwindung kostet. Für Jemand dem es nicht selbst so geht, sind gewisse Sachen nur schwer nachvollziehbar. Das merkt man auch an den neuen Freunden von Elias. Die sind allesamt nett und sympathisch, aber sie verstehen halt nicht so ganz, wie er tickt und wie sehr seine Routinen ihm Halt geben. Manchmal fand ich das Gegängel von Willi schon etwas penetrant. Es ist nicht jeder ein Draufgänger und ich fand die Ängste, welche Elias in gewissen Situationen hatte, durchaus nachvollziehbar. Da waren mit Konstantin und Betti schon lieber.

Was zu Beginn wie eine immer wieder daher kommende Wiederholung scheint, zeigt noch einmal deutlich, wie das Leben von Elias aussieht. Als er dann in die erste eigene Wohnung zieht, seine Nachbarn in sein Leben treten und ihn auch mit versuchen einzubeziehen, sieht man, wie sich diese starre Struktur etwas löst, aber eben auch was das für Elias’ Gefühlswelt und Wohlbefinden bedeutet. Man merkt Elias die inneren Konflikte an, aber ich fand es bewundernswert, wie oft er sich dann doch überwunden und nachgegeben hat. Eben aus seiner Routine ausgebrochen ist. Es gibt hier kein Highlife oder Action, dass wird auch gar nicht passen, sondern es ist einfach nur ein dabei Zusehen, wie ein junger Mann über sich hinauswächst. Ich fand das schon ziemlich spannend.

Ich empfand Elias als auch wahnsinnigsympathischen Charakter. Er war absolut authentisch und der Autor hat mir Hilfe von Elias das Asperger-Syndrom nachvollziehbar dargestellt.

Fazit

Wer einen Einblick in das Leben mit Asperger erleben möchte, ist hier genau richtig. Dennis Kornblum erzählt in diesem Buch wahnsinnig interessant über ein Leben mit der Krankheit. Schon allein auch dadurch authentisch, da der Autor selbst diese Diagnose erhalten hat. Für mich ein tolles Buch, dass sich zu lesen lohnt. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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