
Werbung: Rezension: Pause von Lena Kupke
Verlag: dtv 
Seiten: 320
ISBN: 978-3423285421
Das erwartet euch:
Der Tag als die Notärztin kam, war der Tag, an dem ich wieder zu meinen Eltern gezogen bin. Mit sechsunddreißig.
Manchmal zwingt einen das Leben zu einer Pause, ob man will oder nicht. Hanna will eigentlich nicht. Aber nach einem einschneidenden Erlebnis zieht sie Hals über Kopf von Berlin in ihre alte Heimat Lüneburg zurück – zu ihren Eltern, in ihr altes Kinderzimmer, das mittlerweile das Büro ihres Vaters ist, samt Drucker, elektrischen Rollos und 90-cm-Gästebett.
Doch wie soll das funktionieren?
Plötzlich wieder Familienalltag, von null auf hundert mit drei erwachsenen Menschen, die seit jeher Konflikte lieber unter den Teppich kehren, als sie zu klären. Hanna will so schnell wie möglich wieder zu sich nach Hause, nach Berlin, in die gemeinsame Wohnung mit ihrem Freund Paul. Doch das ist nicht so einfach möglich, denn die Gründe für Hannas Zusammenbruch liegen tief. Ein warmherziges, zart-witziges und ehrliches Buch über die Verarbeitung von Schicksalsschlägen und den langen Weg zur Selbstfindung. Zwischen alten und frischen Wunden muss Hanna lernen, Hilfe einzufordern und anzunehmen und ihre Familie mit anderen Augen zu sehen. Und sie entdeckt, dass einen die Liebe auch in den schwächsten Momenten findet …
Cover-/ Textrechte: dtv
Meine Meinung
Mehr oder minder freiwillig verschlägt es Hanna zurück ins Elternhaus nach Lüneburg. Dort erlebt sie das volle Programm ihrer Eltern, die sich einen festen Tagesablauf mit automatischen Rollos und täglichen Ritualen geschaffen haben. Doch aus dem elterlichen „Konflikte unter den Teppich kehren, zur Ruhe kommen und nachdenken“ kommt sie so schnell nicht wieder heraus. Vielleicht ist diese erzwungene Auszeit ja genau das, was ihr helfen kann. Kann sie diese Chance nutzen, um auch selbst etwas heilen zu können?
Ich kenne die Autorin aus der Sendung „Falsch, aber lustig“ und bin ein großer Fan von ihr. Umso neugieriger war ich natürlich auf dieses Buch. Wer allerdings eine Komödie erwartet, den muss ich enttäuschen. Es wird ernst, wenn auch hier und da durchaus witzige Situationen gibt.
Man lernt Hanna kennen, als es sie gerade im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen hat. Ihr Körper hat einfach gestreikt: Krämpfe, Ohnmacht. Es ist schon Wahnsinn, was der Körper alles veranstalten kann, wenn er im Panikmodus ist.
Hanna tat mir wahnsinnig leid, auch weil die Menschen, auf die sie gebaut hat, ihr nicht geholfen haben. Am Ende sind es ihre Eltern, die für sie da sind und selbst das auch nur, weil ihr Vater darauf besteht, sie abzuholen.
Das sind Eltern, die zwar da sind, mit diesen Gefühlen aber nicht wirklich etwas anfangen können. Ihrer Mutter wird Alles zu schnell zu unruhig, wenn es aus dem Raster läuft oder vom Ablauf abweicht. Dem Papa geht es ähnlich. Und ja nicht über Gefühle reden und aufpassen was die Nachbarn mitbekommen.
Ich habe ehrlich gesagt total mit Hanna gelitten. Dieses Bedürfnis, sich mitzuteilen, aber niemandem zur Last fallen zu wollen. Dieses Umgehen von schwierigen Themen und der Versuch, alles mit sich selbst auszumachen. Bis es eben nicht mehr geht. Dann streikt der Körper oder man explodiert irgendwann. Man stelle sich nur den tief sitzenden Schmerz vor, mit dem sie kämpfen muss und das ganz allein. Bis ihr endlich jemand zuhört. Sie ist eine wahnsinnig starke Frau, die ich eigentlich die ganze Zeit nur in den Arm nehmen wollte. Das Ende habe ich gefeiert, weil sie endlich ihren Mut gefunden hatte.
Die Figuren fand ich allesamt unglaublich authentisch. Egal ob Eltern, Schwester oder Freunde.Ich hatte kein einziges Mal das Gefühl, dass etwas überspitzt dargestellt wurde. Eher das genaue Gegenteil.
Fazit
Dieses Buch konnte mich mit seiner inhaltlichen Wahrheit und Authentizität vollkommen überzeugen, besonders auf emotionaler Ebene. Es gab so viele Momente, die mich berührt und mitgenommen haben. Das Ende ist toll gelungen, auch wenn es vieles offenlässt. Für mich fühlt sich dieses Buch absolut ehrlich und stimmig an. Klare Leseempfehlung und 4,5 Sterne.
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